Institut für Meteorologie und Geophysik
Anlässlich der Naturkatastrophe in Japan finden Sie hier laufend Updates zu
· Luftströmung Niederschlag Partikel-Ferntransport
Seit Beginn der durch Erdbeben und Tsunami ausgelösten Nuklearkatastrophe in Japan verfolgen die MeteorologInnen der Universität Wien die regionalen meteorologischen Verhältnisse – vor allem Wind, Temperatur und Niederschlag – im Katastrophengebiet und berechnen ausgehend von den Unglücksreaktoren Partikelbahnen, sogenannte Trajektorien. Auf dieser Website werden laufend Updates dieser Messdaten zur Verfügung gestellt.
Erläuterungen zu den einzelnen Messdaten
Luftströmung
Hier finden Sie im 6-Stunden-Abstand die Stromlinien (Linien mit Pfeilspitzen) für den Großraum Japan, die aufgrund von Windmessungen (Punkte) und Modellberechnungen (Quadrate) von unserer Diagnosesoftware "VERA" erstellt werden.
VERA (Vienna Enhanced Resolution Analysis) liefert aus Punktdaten mit intelligentem Interpolationsverfahren die räumliche Verteilung meteorologischer Parameter. Neben den Stromlinien (der Wind weht in Richtung der Pfeilspitzen) ist auch die auf Meeresniveau reduzierte Temperatur in Farbschattierungen wiedergegeben. Die dazugehörige Farbskala befindet sich am rechten Bildrand. Die drei Kernkraftwerke im Krisengebiet sind mit gelben Dreiecken markiert.
Interpretation (update: 15.4.2011, 9:40): Vor dem Eintreffen einer Kaltfront weht heute über Nordjapan ein annähernd küstenparalleler südlicher Wind, der untertags durch die Seewindzirkulation eine (ungünstige) auflandige Komponente bekommt. Damit können gegebenenfalls von Fukushima emittierte Partikel besiedeltes Gebiet (z. B. Sendai) erreichen.
Niederschlag
Auf dieser Karte ist die Niederschlagsmenge zu sehen, aufgeteilt in Schnee (violett) und Regen (grün), in Millimeter Wasseräquivalent (siehe Skala am rechten Bildrand) wiedergegeben. Die schwarzen Linien geben die Schneefallgrenze in Vielfachen von 100 Meter an. Eine Aktualisierung erfolgt im 6-stündigen Abstand.
Interpretation (update: 15.4.2011, 9:40): Mit Annäherung einer Kaltfront treten im späteren Tagesverlauf über Nordjapan verstärkt Niederschläge auf, die ein Auswaschen von Partikeln ermöglichen.
Partikel-Ferntransport
Trajektorien oder Partikelbahnen werden von den WissenschafterInnen mit Hilfe der HYSPLIT Software der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration der USA) einmal täglich berechnet. Sie starten am Ort des Unglücksreaktors in drei verschiedenen Höhen über dem Meeresspiegel und berechnen den Ort des Luftpakets in sechsstündigen Zeitschritten zwei Wochen in die Zukunft:
100 m – rote Dreiecke
500 m – blaue Quadrate
1500 m – grüne Kreise
Interpretation (update: 15.4.2011, 9:40): Die heutigen Szenarien zeigen einen Transport der Luft aus dem Gebiet der Unglücksreaktoren über Ostsibirien, die Arktis und Nordamerika bis zum Atlantik. Je nach angenommener heutiger Eintragshöhe gelangen Partikel somit in den kommenden zwei Wochen nicht bis nach Europa.
Durch die fehlende Information der Partikelkonzentration bzw. Strahlungsintensität an der Quelle und der Höhe des Eintrags in die Atmosphäre stellen die Trajektorien lediglich Szenarien dar. Selbst wenn belastete Luft Europa erreichen sollte, ist durch die Verdünnung der Konzentration, vor allem durch niederschlagsbedingte Auswaschvorgänge, mit einer erheblichen Abschwächung der ursprünglichen Konzentration zu rechnen.
Alle in diesen Abbildungen verwendeten Daten werden ausschließlich aus dem Internet (US-amerikanische Quellen) bezogen.
Darüber hinaus stehen Interessierten stündliche Karten weiterer meteorologischer Parameter zur Verfügung unter: http://univie.ac.at/amk/Veraflex_oa
Rückfragen:
Dr. Dieter Mayer (dieter.mayer@univie.ac.at)
Univ.-Prof. Dr. Reinhold Steinacker (reinhold.steinacker@univie.ac.at)
Universität Wien
UZA II
Althanstraße 14
1090 Wien
T: +43-1-4277-537 01
F: +43-1-4277-95 37








